Wer den Kleiderbahnhof in der Bahnhofstraße 5 betritt, merkt schnell: Hier geht es um weit mehr als gebrauchte Kleidung. Hier wird sortiert, beraten, verkauft, gespendet, gelacht und vor allem angepackt. Zwölf Ehrenamtliche kümmern sich inzwischen um den Laden und sorgen gemeinsam dafür, dass gut erhaltene Dinge nicht im Schrank oder schlimmstenfalls im Müll landen, sondern eine zweite Chance bekommen. „Gebraucht – geliebt – gerettet“ lautet deshalb auch der passende Slogan des Kleiderbahnhofs.
Davon konnten sich auch Stadtbürgermeister Stefan Leukel und Citymanagerin Timea Zimmer bei ihrem Besuch überzeugen. Sie schauten sich die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße 5 an und sprachen mit Leiterin Katrin Schiwietz und ihrem Team über die Entstehung und die Entwicklung des Kleiderbahnhofs.
Entstanden ist der Kleiderbahnhof aus der früheren Kleiderkammer der Evangelischen Kirche. Die Kleiderkammer wurde geschlossen, die bisherigen Ehrenamtlichen machten weiter – und gründeten mit dem Kleiderbahnhof einen eigenständigen Verein. Seit November ist das Geschäft in der Bahnhofstraße geöffnet.
Der neue Weg hat sich dabei schnell als richtig erwiesen. Denn der Kleiderbahnhof möchte bewusst mehr Menschen erreichen. Wer Unterstützung braucht, soll sich nicht erst fragen müssen, ob er „bedürftig genug“ ist, um eine Kleiderkammer zu besuchen. „Denn wo beginnt Bedürftigkeit?“, fragt Katrin Schiwietz. Genau deshalb sei der Kleiderbahnhof für alle offen.
Auch das Ambiente hilft dabei. Statt wie eine klassische Kleiderkammer wirkt der Laden eher wie ein kleiner, gemütlicher Secondhand-Shop. Das senkt offenbar die Hemmschwelle. „Wir merken, dass sich viele Menschen eher trauen, einfach hereinzukommen“, erzählt Schiwietz. Gleichzeitig gibt es inzwischen deutlich mehr Laufkundschaft.
Und zu entdecken gibt es einiges. Der Schwerpunkt liegt zwar auf Damenbekleidung, aber auch Männer und Kinder werden fündig. Dazu kommen Schuhe, Gürtel, Taschen und andere Accessoires. Auch Haushaltstextilien wie Bettwäsche, Handtücher oder Tischwäsche werden angeboten. Eine kleine Änderungsschneiderei gehört ebenfalls zum Laden. Außerdem arbeitet der Kleiderbahnhof mit dem Lilliputz des Kinderschutzbundes zusammen, das sich besonders um Kinder-Secondhand-Ware kümmert.
Der Name Kleiderbahnhof ist übrigens ebenfalls nicht zufällig gewählt. Kleidung wird hier sozusagen auf eine neue Reise geschickt – passend zum Standort in der Bahnhofstraße.
Die Waren werden gespendet und anschließend für sehr kleines Geld weiterverkauft. Ganz kostenlos kann das Angebot nicht sein, denn auch Miete und andere laufende Kosten müssen bezahlt werden. Der Verein ist ansonsten vollständig auf das Engagement seiner Ehrenamtlichen und auf Spenden angewiesen. So können die Preise bewusst niedrig gehalten werden und möglichst viele Menschen das Angebot nutzen.
Was nach längerer Zeit keinen neuen Besitzer findet, wird ebenfalls nicht einfach weggeworfen. Die nicht verkauften Kleidungsstücke werden unter anderem an Hilfsprojekte in Moldawien und der Ukraine weitergegeben.
Besonders beeindruckend: Die gesamten Räumlichkeiten wurden von den Ehrenamtlichen selbst renoviert. Auch die dafür benötigten Materialien wurden von lokalen Unternehmen gespendet. „Das ist wirklich ein tolles Beispiel dafür, was mit ehrenamtlichem Engagement und der Unterstützung vor Ort möglich ist“, zeigte sich Stadtbürgermeister Stefan Leukel beeindruckt. „Hier wird nicht nur Kleidung weitergegeben. Hier wird geholfen, Nachhaltigkeit gelebt und gleichzeitig ein Ort geschaffen, an dem sich Menschen willkommen fühlen.“
Gut erhaltene Dinge werden gesucht
Wer den Kleiderbahnhof unterstützen möchte, kann gut erhaltene Kleidung und andere Textilien vorbeibringen. Gesucht werden unter anderem Kleidung für Damen, Herren und Kinder, Schuhe, Gürtel, Taschen, Bettwäsche, Handtücher und Tischwäsche.
Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag: 10:00 bis 12:00 Uhr Dienstag, Mittwoch und Freitag: 15:30 bis 17:30 Uhr
Auch Geldspenden helfen dabei, das Angebot aufrechtzuerhalten:
Helfende Hände Hachenburg e.V. IBAN: DE41 5735 1030 0055 0880 66 Sparkasse Westerwald-Sieg
Gebraucht – geliebt – gerettet: Im Kleiderbahnhof bekommt vieles eine zweite Chance – und davon profitieren am Ende nicht nur die Kleidungsstücke, sondern vor allem die Menschen, die sie brauchen.