Ein „Book Tok“-Abend im Vogtshof in Hachenburg | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Lesung und Gespräch mit Liane Mars, Julianna Grohe und Roukeiya Peters

Ein „Book Tok“-Abend im Vogtshof in Hachenburg

Während anderswo in der Walpurgisnacht am 30. April die Hexen auf ihren Besen flogen, waren es die Drachenreiter auf ihren magischen Drachen, die gemeinsam mit Prinzen und Prinzessinnen, einer Räubertochter und rund 40 gebannt Zuhörenden bei Vollmond den Löwensaal im Vogtshof bevölkerten – ein wahrlich passendes Gemäuer für Magie, Fantasy und viel Romantik!

Romantasy heißt daher auch das neue Genre, das seit einigen Jahren die Regale in Buchhandlungen, Büchereien und die junger (vor allem) Leserinnen zu Hause füllt. Und Book Tok ist das Phänomen, das eng damit verknüpft ist.

In aller Kürze erläutert: BookTok ist eine einflussreiche Subcommunity auf der Social-Media-Plattform TikTok. Nutzer (meist junge Frauen) empfehlen, rezensieren und besprechen in Videoclips Bücher. Der Trend hat sich seit der Covid 19-Pandemie zu einem der Haupttreiber der Buchbranche entwickelt, der vor allem Romance-, Fantasy- und Young-Adult-Literatur fördert.

Das hat die Buchbranche deutlich verändert, denn plötzlich eröffneten sich bislang unbekannten Autorinnen neue Vertriebswege. BookTok erhöhte ihre Sichtbarkeit, machte Verlage auf sie aufmerksam, die vielen der bislang im Selbstverlag Publizierenden zum Durchbruch verhalfen, und sich dabei auch selbst etablieren konnten. So rückten auch alle drei anwesenden Autorinnen in das Interesse des Drachenmond-Verlags, der 1996 gegründet wurde, und damit in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiern kann – bekannter und gefestigter denn je, dank der stetig wachsenden Zahl derer, die wunderschöne, mit Farbschnitt aufwändig gestaltete Bücher lieben, und mit Hingabe limitierte Ausgaben sammeln.

Für die Schreibenden selbst veränderte sich mit BookTok jedoch auch in anderer Hinsicht ihr Arbeitsleben, denn die Pflege ihrer Fans auf den Social-Media-Kanälen nimmt mittlerweile einen großen Raum ein – unter Umständen sogar die Hälfte der Zeit, die sonst zum Schreiben zur Verfügung stehen würde.

Die sympathischen Autorinnen gaben auf Fragen aus dem Publikum in angenehm offener Art Antworten – so beispielsweise Liane Mars, die ab und zu befürchtet, mit einem Post einen Shitstorm auszulösen, oder Julianna Grohe, die gestand, hin und wieder noch mit ihrer Schüchternheit vor der Kamera zu kämpfen. Davon war an diesem unterhaltsamen Abend jedoch wenig zu merken – sie hielt nämlich bei entsprechenden Lesepassagen aus ihrem Buch Die fünfte Braut ein laminiertes Schild mit einem Teufelchen in die Höhe, und sorgte damit für viele Lacher, denn der Lieblingsfluch der Räubertochter, den diese bei jeder passenden und vor allem unpassenden Gelegenheit von sich gibt, lautet: „Teufel auch!!“

So wurde an diesem unterhaltsamen Abend natürlich nicht nur vorgelesen. Außer mit dem analogen Teufelchen und einem Bingo ganz klassisch auf Papier, wurde das Publikum auch digital mithilfe von „Mentimeter“ einbezogen, einer Software, mit der sich die Teilnehmenden über einen QR-Code einwählen und anonym eingebunden werden. Die Aussagen – von denen jeweils zwei der Wahrheit entsprachen und die dritte eine Lüge war –, sorgten für große Heiterkeit und trugen dazu bei, dass dieser Abend – veranstaltet von der Stadtbücherei Werner A. Güth und der hähnelschen Buchhandlung im Rahmen der Westerwälder Literaturtage – zum vollen Erfolg wurde.

Übrigens feiert auch die WW-Lit in diesem Jahr ein Jubiläum, denn es ist bereits die 25. Ausgabe der Westerwälder Literaturtage, die in diesem Jahr unter dem Motto Die Goldenen 20er Jahre stehen, und mit insgesamt 28 Veranstaltungen den ganzen Sommer über bis zum 28. Oktober 2026 noch viel zu bieten haben!