Die etwas andere Tour durch die kleine Residenzstadt … | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Meisterschüler im der Handwerkskammer Koblenz entdecken Hachenburg

Die etwas andere Tour durch die kleine Residenzstadt …

Zum dritten Mal begaben sich Absolventen der Meisterprüfung im Zimmererhandwerk (Handelskammer Koblenz) unter der Leitung von Herrn Mathias Gläser (Zimmerermeister und Restaurator) sowie Dr. Jens Friedhoff (Stadtarchiv Hachenburg) auf den Spuren traditioneller Bauhandwerker durch die historische Innenstadt Hachenburgs. Diesmal standen nicht das bis heute stadtbildprägende Barockschloss, die ehemalige Franziskanerkirche und die Katharinen- bzw. Schlosskirche auf dem Alten Markt im Mittelpunkt einer mehrstündigen Führung, sondern insbesondere historische Fachwerkbauten.

Zielstrebig führte der Weg vom Marktplatz ausgehend zu denkmalverträglich sanierten Gebäuden, zu denen u. a. der vor einigen Jahren mit dem Denkmalpreis der Sparkassenstiftung Rheinland-Pfalz ausgezeichnete Vogtshof gehört. Zuvor erfolgte der Besuch der Dauerausstellung „Hachenburg Anno Domini 1314“ im historischen Gewölbekeller des Rathauses in der Perlengasse 2. Erörtert wurden hier insbesondere die historische Stadtgestalt Hachenburgs sowie Fragen der Bebauung innerhalb der erst im 19. Jahrhundert abgetragenen mittelalterlichen Stadtbefestigung. Das nächste Ziel war der benachbarte Vogtshof. Hier vermittelte Herr Mathias Gläser detailreiche Einblicke in die Praxis einer fachgerechten Sanierung von Gebäuden. Fragen nach der „Rettung“ eines möglichst umfangreichen Teils der historischen Originalsubstanz im Rahmen erforderlicher Sanierungsmaßnahmen sowie nach einer möglichst effizienten und reibungslosten Zusammenarbeit mit anderen Gewerken, planenden Architekten sowie Vertretern der Denkmalpflege standen im Mittelpunkt der Diskussion.

Von Seiten des Stadtarchivars wurde auf die Bedeutung des historischen Planmaterials und alter Bauakten verwiesen. Die Archivalien illustrieren nicht nur den ehemaligen Zustand der Objekte, sondern bieten im Idealfall wertvolle Informationen zur wechselvollen Bau- und Nutzungsgeschichte von so manchem Haus. Nicht zu unterschätzen sind diesbezüglich die reichen Bestände an historischen Fotos aus der Zeit um 1900, die im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Entgegen der weitverbreiteten Vorstellung, Hachenburg habe sich in vergangenen Jahrhunderten als eine Stadt präsentiert, die vornehmlich durch reich verzierte Fachwerkfassaden dominiert wurde, belegen sowohl Bild- als auch Schriftquellen, dass insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Bauten ihre Fachwerkkonstruktion hinter Putzschichten verborgen haben. Ziel war es so mancher einfacher konstruktiver Fachwerkfassade eine vermeintlich „hochwertigere“ Steinfassade vorzublenden. Dies geschah nicht nur im Blick auf den Schutz des Hauses vor den Einflüssen der Witterung, sondern sollte beim Betrachter den Eindruck zu erwecken, als handele es sich um ein vornehmes „steinernes Gebäude“. Insbesondere während der glanzvollen Zeit Hachenburgs als Residenz der Grafschaft Sayn-Hachenburg in der Barockzeit spielten Überlegungen zur repräsentativen Gestaltung der Wohnbauten im Stadtbild eine zentrale Rolle.

Tiefere Einblicke in die Thematik Hausbau und den Einfluss der Architekturstile auf das Erscheinungsbild der Stadt in vergangenen Jahrhunderten bietet das 2018 erschienene H. 6 der Schriften des Stadtarchivs Hachenburg zu „Stadtplanung und Stadtentwicklung – Das Hachenburger Stadtbild im Wandel der Jahrhunderte“, das zum Preis von 7,00 EURO bei der Stadtverwaltung Hachenburg (Perlengasse 2), im Landschaftsmuseum Westerwald sowie im örtlichen Buchhandel erhältlich ist.