Apsiden – Türme –Taufsteine | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Reich illustrierter Führer zu mittelalterlichen Kirchen im Westerwald vorgestellt

Apsiden – Türme –Taufsteine

Die Region um Hachenburg sowie der benachbarte Raum Altenkirchen haben bezüglich mittelalterlicher Architektur mehr zu bieten als erwartet! Mit dieser These stellte der Hachenburger Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff das 84 Seiten umfassende und reich illustrierte neue Heft 11 der Schriften des Stadtarchivs Hachenburg vor. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der Stadtbürgermeister Stefan Leukel die Anwesenden und resümierte, dass „bis heute zahlreiche mittelalterliche Kirchen das Orts- und Landschaftsbild des Westerwaldes prägen“. Mit Stolz verwies Stefan Leukel auf die Bartholomäuskirche zu Altstadt, die die Titelseite der neuen Veröffentlichung ziert. Auch der langjährige ehemalige Landtagspräsident Hendrik Hering bereicherte die Veranstaltung durch eine weitere Begrüßung und verwies auf die „identitätsstiftende Wirkung“ mittelalterlicher Kirchen als Orte der Gemeinschaft sowie als persönliche Erinnerungsorte der dort lebenden Menschen.

In seinem Vortrag beschränkte sich Jens Friedhoff auf wenige Aspekte der baulichen Entwicklung der zumeist romanischen Kirchen. Mittelalterliche Symbolik wie die zum Teil erhaltenen mehr als 800-jährigen Taufsteine, die als Orte der Taufe für die Aufnahme der Menschen in die Gemeinde stehen, wurden ebenso thematisiert wie die im Spätmittelalter infolge zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen (Fehden) aufkommenden Wallfahrten. Besonderer Beliebtheit erfreute sich die Marienverehrung, die u. a. durch die Zisterzienser (z.B. in Marienstatt) gefördert wurde.

Der vorliegende, zum Preis von 8 EURO bei der Stadtverwaltung, im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg sowie im örtlichen Buchhandel erhältliche Band lädt ein zu eigenen Entdeckungstouren zu den vielfach abseits touristischer Hauptrouten gelegenen Kirchen. Geographisch reicht der Raum der behandelten Sakralbauten von der Sieg im Norden bis zur Lahn im Süden und erstreckt sich in West-Ost Richtung vom Rhein bis zur Dill. Sowohl im Blick auf die beeindruckende Architektur der ältesten erhaltenen und noch genutzten Bauten in den Dörfern wie auch der in Resten erkennbaren ursprünglichen Ausstattung mit mittelalterlichen Malereien (u. a. Höchstenbach, Altstadt bei Hachenburg und Almersbach bei Altenkirchen), kann der Westerwald durchaus mit angrenzenden Kunstlandschaften, wie etwa dem Mittelrheintal, konkurrieren. Ungeachtet der herausragenden kunsthistorischen Bedeutung der gotischen Abteikirche von Marienstatt verdienen die auf den ersten Blick bescheidenen Dorfkirchen Beachtung. Das Interesse an der Thematik spiegelt sich u. a. in der einen oder anderen angebotenen Exkursion zu den Objekten sowie der Möglichkeit vor oder nach den Gottesdiensten auch das Innere der Kirchen auf sich wirken zu lassen.

Aus eigener Erfahrung kann der Verfasser des Bändchens den Lesern empfehlen, die historisch bedeutsamen Orte nicht nur im Rahmen von geführter Gruppen zu besuchen sondern auch individuell für sich selbst zu entdecken, die Architektur auf sich wirken zu lassen und einen eigenen Zugang zu den Kunstwerken bzw. Zeugnissen des Glaubens „vor der eigenen Haustüre“ auf sich wirken zu lassen.